Traurige Mitteilung

Am Donnerstag letzter Woche haben wir telefonisch von seinem Neffen aus Thüringen erfahren, dass unser Schachfreund Horst Lotz hochbetagt zwei Tage zuvor verstorben ist. Hartmut Schmid hat diesen Nachruf verfasst.


Nachruf

Die Stuttgarter Schachfreunde trauern um

Horst Lotz

* 11.09.1928 Elgersburg (Thüringer Wald)     † 17.04.2018 Stuttgart

Im neunzigsten Lebensjahr stehend ist unser ältestes Mitglied, Horst Lotz am 17. April 2018 heimgegangen. Horst Lotz war seit 1984 in unserem Verein und er war in all den Jahren ein ganz wertvolles Mitglied. Er war nicht nur ein guter und sehr verläßlicher Spieler, er war auch Mannschaftsführer und hat sich in unterschiedlichen Aufgaben auch in der Organisation eingebracht. Vor allem war er für viele Jugendliche ein Wegbereiter für das Turnierschach, er hat ihnen die Schönheit und den Wert klassischer Meisterpartien vermittelt.

Schach als Kulturobjekt war für ihn ganz wichtig, das kam in seinen Beiträgen für den »Schachfreund« zur Geltung und die von ihm ausgesuchten Buchpreise für die Jugendlichen hat er in seiner schönen Handschrift mit Anregungen und Lob „angereichert“. Obwohl er eifriger Besucher der Spielabende war, war er doch zurückhaltend, mit auswendig vorgetragenen klassischen Gedichten konnte er jedoch immer wieder brillieren. Er wollte niemanden zur Last fallen und so wollte er auch „weggehen“; seine letzte Ruhestätte wollte er in einem anonymen Grab finden.


Hartmut Schmid

Text:  Hartmut Schmid           Realisiert von:  Claus Seyfried



Unser Spielleiter Florian Siegle über Horst Lotz:

Ich selbst hatte übrigens meine ersten schachlichen Nachhilfestunden auch bei Horst Lotz, als ich Ende der 1980er Jahre in den Verein kam, Tarrasch, Aljechin+Co, der gute alte Stoff. Und ich war auch mehrmals Nutznießer seiner Buchgeschenke - er brauchte dafür keinen besonderen Anlass, Horst kaufte ein halbes Dutzend und verteilte sie freigebig an geschätzte Schachfreunde - und jedem einzelnen schrieb er eine handschriftliche Widmung vorne rein in seinem ganz eigenen altmodisch-erbaulichen Stil.

Darunter waren ein Schachkalender, eine Partiesammlung alter Meister, ein Band mit Goethe-Gedichten und zuletzt ein Buch über die Bekämpfung von Prostatabeschwerden mit Naturheilmitteln - letzteres haben glaube ich alle Ausschussmitglieder bekommen und er hat es einem ebenso anempfohlen wie die alten Meister oder den alten Goethe, genauso wertvoll und in jedem Fall zu beherzigen. Mens sana in corpore sano, für ihn war das immer klar. Das war typisch Horst Lotz: Er dachte ganzheitlich wie ein Anthroposoph, Schach für den Geist, Goethe für die Seele (am besten auswendig) und Naturheilkunde für den Körper. Über die Vorzüge einer basischen Ernährung konnte er ausdauernd referieren und er hielt sich selbst konsequent daran:

Ich werde nie vergessen, wie er bei einer Bezirksmeisterschaft in Sillenbuch 3 mitgebrachte Gläser samt Löffel neben dem Brett aufbaute und wortlos seinen basischen Spezialtee aus verschiedenen Kräutern und Pülverchen zubereitete mit dem heiligen Ernst eines Magiers. Das hypnotische Klackern vom Löffel im Glas war das einzige Geräusch im Spielsaal und alle Anwesenden hatten das Gefühl, Zeuge eines uralten, geheimnisvollen Rituals zu sein, irgendwo zwischen Merlin und Mephisto...

Horst Lotz war ein echtes Original, kauzig und verschroben, wie man es von Schachspielern erwartet, aber auf eine liebenswerte, menschenfreundliche Art. Einer, der die Anrede „mein lieber Schachfreund!“ in Wort und Schrift immer gerne und im ursprünglichen Sinn verwendet hat.